„Was würden Sie denn füttern – Trockenfutter oder BARF?“
Diese Frage wird mir in der Praxis regelmäßig gestellt.
Und ehrlich gesagt antworte ich fast nie mit dem Namen einer Futtersorte. Denn aus meiner Sicht beginnt gute Hundeernährung nicht mit der Entscheidung zwischen Trockenfutter, Nassfutter, BARF oder selbst gekochten Mahlzeiten. Sie beginnt mit einer ganz anderen Frage:
Was braucht genau dieser Hund?
Kaum ein Thema wird unter Hundehaltern so leidenschaftlich diskutiert wie die Ernährung. In den sozialen Medien, in Hundeforen und sogar unter Fachleuten gibt es unzählige Meinungen darüber ,welches Futter das beste sein soll.
Ich möchte mich diesem Thema bewusst aus einer anderen Richtung nähern.
Bevor wir darüber sprechen, was wir füttern, sollten wir uns fragen, warum Ernährung überhaupt so wichtig ist.
„Jeder Hundehalter wünscht sich möglichst viele gesunde Jahre mit seinem Hund. Ernährung entscheidet nicht allein darüber, wie alt ein Hund wird – aber sie entscheidet jeden Tag ein kleines Stück darüber mit, wie gesund er älter wird.“
Ein Mensch hat heute eine Lebenserwartung von über 80 Jahren. Unsere Hunde dagegen begleiten uns– je nach Rasse – oft nur zehn bis fünfzehn Jahre. Ihr Körper altert deutlich schneller als unserer. Während sich die Folgen unserer Lebensweise beim Menschen häufig erst nach Jahrzehnten bemerkbar machen, können sie beim Hund bereits nach wenigen Jahren sichtbar werden.
Das gilt auch für die Ernährung.
Eine ausgewogene Fütterung kann Gesundheit, Lebensqualität und Leistungsfähigkeit über viele Jahre unterstützen. Umgekehrt können Übergewicht oder eine langfristig unausgewogene Ernährung Krankheiten begünstigen und dazu führen, dass ein Hund einen Teil seines ohnehin kurzen Lebens mit gesundheitlichen Einschränkungen verbringt.
Gerade weil unsere gemeinsame Zeit mit unseren Hunden so kostbar und leider viel zu kurz ist, lohnt es sich, sich bewusst mit ihrer Ernährung auseinanderzusetzen. Denn wir können zwar nicht beeinflussen, wie alt unser Hund wird – aber wir können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, wie gesund und mit welcher Lebensqualität er älter wird.
Es gibt nicht das perfekte Futter
Wenn mich Hundehalter in meiner Praxis fragen, welches Futter ich empfehle oder ob BARF besser ist als Trockenfutter, antworte ich fast immer gleich:
Das richtige Futter ist das, das dein Hund gerne frisst, ihn mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt, das er gut verträgt und das seine Gesundheit langfristig unterstützt.
Für den einen Hund kann das ein hochwertiges Trockenfutter sein. Für den nächsten ein Nassfutter. Ein anderer Hund profitiert von einer sorgfältig zusammengestellten BARF-Ration oder von selbst gekochten Mahlzeiten.
Deshalb halte ich wenig von pauschalen Empfehlungen. Jeder Hund ist ein Individuum. Er hat seinen eigenen Stoffwechsel, unterschiedliche Bedürfnisse, Vorlieben und manchmal auch gesundheitliche Besonderheiten.
Genauso individuell ist auch der Alltag seiner Menschen.
Denn die beste Fütterungsform nützt wenig, wenn sie dauerhaft nicht umsetzbar ist. Ernährung muss langfristig funktionieren – für den Hund genauso wie für seine Familie.
Unabhängig davon, für welche Fütterungsform Sie sich entscheiden, gibt es einige Punkte, auf die ich persönlich besonderen Wert lege:
- Das Futter sollte den Hund vollständig mit allen notwendigen Nährstoffen versorgen. Bei Fertigfutter ist die Kennzeichnung als Alleinfuttermittel dafür eine wichtige Orientierung.
- Achten Sie auf eine möglichst transparente Deklaration. Angaben wie „20 % Lamm und 50 %Rind“ sind deutlich aussagekräftiger als Sammelbegriffe wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“.
- Viele Hunde profitieren von übersichtlich zusammengesetzten Rezepturen mit wenigen Protein-und Kohlenhydratquellen. Gerade bei empfindlichen Hunden erleichtert das häufig die Beurteilung der Verträglichkeit.
- Ich bevorzuge Futtermittel mit möglichst wenigen unnötigen Zusatzstoffen und einer nachvollziehbaren Zusammensetzung.
Mindestens genauso wichtig wie die Zutatenliste ist jedoch der Blick auf den Hund selbst: Hat er eine gute Verdauung? Ein glänzendes Fell? Hält er sein Idealgewicht? Ist er aktiv und fühlt sich wohl? Letztlich zeigt der Hund selbst, ob seine Ernährung zu ihm passt.

Ernährung ist mehr als nur Futter
In meiner täglichen Arbeit fällt mir noch etwas anderes auf.
Viele Hunde sind übergewichtig.
Wenn ich ihre Besitzer darauf anspreche, höre ich häufig denselben Satz:
„Aber mein Hund frisst doch gar nicht so viel.“
Und meistens stimmt das sogar – zumindest, wenn nur die eigentlichen Mahlzeiten gemeint sind.
Gehen wir den Tagesablauf jedoch gemeinsam Schritt für Schritt durch, tauchen nach und nach viele kleine Extras auf: das Leckerli nach dem Spaziergang, die Belohnung beim Training, der Kauknochen am Nachmittag oder der Snack, weil der Hund einige Stunden allein bleiben musste.
Jedes einzelne Leckerchen erscheint unbedeutend. In der Summe können diese zusätzlichen Kalorien jedoch einen erheblichen Teil des täglichen Energiebedarfs ausmachen.
Dabei geht es selten um mangelndes Wissen. Es geht um unsere Beziehung zu unseren Hunden. Wir möchten sie belohnen, ihnen eine Freude machen oder manchmal auch unser schlechtes Gewissenberuhigen. Futter wird so zu einem Ausdruck von Liebe und Zuneigung.
Das beginnt häufig schon im Welpenalter. Leckerchen sind ein wertvolles Hilfsmittel im Training und aus einer modernen Hundeerziehung kaum wegzudenken. Problematisch wird es erst dann, wenn Belohnungen zur Gewohnheit werden und der Hund über den Tag verteilt mehr Energie über Snacks aufnimmt als über seine eigentlichen Mahlzeiten.
Vielleicht kennen wir dieses Verhalten auch von uns selbst. Essen bedeutet für uns oft weit mehr als reine Energieversorgung. Es steht für Genuss, Trost, Gemeinschaft und Geborgenheit. Ganz unbewusst übertragen wir diese Gefühle auf unsere Hunde.
Doch Liebe zeigt sich nicht darin, möglichst viele Leckerchen zu geben.
Liebe zeigt sich darin, Verantwortung zu übernehmen.
Zum Glück muss die Lösung nicht darin bestehen, vollständig auf Belohnungen zu verzichten. Wer gerne mit Leckerchen arbeitet, kann diese einfach in die tägliche Futterration einrechnen und die Hauptmahlzeit entsprechend etwas kleiner ausfallen lassen.
Noch schöner finde ich allerdings eine andere Form der Belohnung: gemeinsame Zeit.
Ein kurzes Spiel, ein gemeinsamer Spaziergang, eine Suchaufgabe oder – wenn der Hund es genießt – eine ausgiebige Kuscheleinheit bedeuten unseren Hunden oft mehr als jedes Leckerchen. Was sie sich am meisten wünschen, ist unsere Aufmerksamkeit.
Vielleicht dürfen wir uns deshalb selbst immer wieder fragen:
Belohne ich meinen Hund gerade mit Futter – oder mit dem, was er sich eigentlich am meisten wünscht: gemeinsame Zeit mit mir?
Denn am Ende geht es nicht darum, möglichst viele Leckerchen zu schenken.
Es geht darum, möglichst viele gesunde, aktive und gemeinsame Jahre miteinander zu verbringen.

Wenn die Ernährung zur Therapie wird
Nicht jeder Hund kann jedes Futter fressen.
Chronische Erkrankungen wie Futtermittelallergien, chronische Magen-Darm-Erkrankungen, Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Nieren- oder Lebererkrankungen stellen oft besondere Anforderungen an die Ernährung. In diesen Fällen ist Futter nicht mehr nur eine Frage des Geschmacks oder der persönlichen Überzeugung – es wird zu einem wichtigen Bestandteil der Behandlung.
Gerade dann lohnt es sich, die Ernährung nicht allein umzustellen, sondern sich fachlich begleiten zulassen. Tierärzte mit dem Schwerpunkt Ernährung sowie qualifizierte Ernährungsberater für Tiere können helfen, eine individuell passende Ration zusammenzustellen.
Hunde mit Futtermittelunverträglichkeiten oder Allergien brauchen manchmal Geduld. Nicht immer ist sofort klar, welches Futter gut vertragen wird. Häufig müssen verschiedene Proteinquellen oder Futtermittel ausprobiert werden, bis die passende Ernährung gefunden ist.
Mit einem strukturierten Vorgehen, etwas Geduld und einer guten Zusammenarbeit lässt sich jedoch in den meisten Fällen eine Fütterung finden, mit der sich der Hund dauerhaft wohlfühlt.
Wenn Sie unsicher sind oder Ihr Hund an einer chronischen Erkrankung leidet, sprechen Sie uns gerne an. Gemeinsam finden wir den Weg, der am besten zu Ihrem Hund passt.
Mein Gedanke zum Schluss
Für mich beginnt gute Hundeernährung nicht mit der Frage, ob Trockenfutter, Nassfutter oder BARF die beste Wahl ist.
Sie beginnt mit einer anderen Frage:
Was braucht genau dieser Hund, damit er möglichst lange gesund, vital und mit Freude durchs Leben gehen kann?
Die Antwort darauf ist so individuell wie jeder Hund selbst.
Es gibt deshalb aus meiner Sicht kein perfektes Futter.
Es gibt nur das Futter, das zu den Bedürfnissen des Hundes passt, das seine Gesundheit unterstützt und das sich dauerhaft in den Alltag seiner Menschen integrieren lässt.
Gute Ernährung ist keine Glaubensfrage und kein Wettbewerb darum, wer seinen Hund „am besten“ füttert. Sie ist Ausdruck von Fürsorge, Verantwortung und der Liebe zu unserem Hund.
Nicht Perfektion ist dabei das Ziel, sondern Achtsamkeit.
Denn am Ende erinnern sich unsere Hunde nicht daran, welches Futter in ihrem Napf lag. Sie erinnern sich an die Zeit, die sie mit uns verbringen durften. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass es möglichst viele gesunde Jahre werden.






